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17.12.2018

Empathie, das unbekannte Wesen...

Egal ob es einem gefällt oder nicht, die Empathie hat eine große Bedeutung für die Bewältigung praktischer Aufgaben, insbesondere in Teams und Organisationen.

Es ist also an der Zeit, sich das Thema „Empathie“ einmal genauer anzuschauen.

Es geht der Empathie wie den meisten häufig verwendeten Begriffen, es gibt eine Vielzahl von -teilweise mehrdeutigen- Definitionen. Es ist ja ein grundsätzliches Problem, dass jeder Mensch mit einem Wort einen eigenen Bedeutungsraum adressiert. Unterschiedliche Definitionen im wissenschaftlichen Kontext erschweren das Problem zusätzlich.

Ich finde die Definition von Lawrence Shaw und Elizabeth Segal sehr gelungen. Sie definieren Empathie und unterscheiden in 

Emotionale (affektive) Empathie

Die Fähigkeit das Gleiche zu empfinden wie andere Menschen, sich also emotional in die Situation des anderen einzufühlen. Das wird auch als emotionale Sensitivität bezeichnet.

Kognitive Empathie

Hier geht es um die Fähigkeit Gedanken und Absichten anderer Menschen zu verstehen und daraus auch möglichst treffende Hypothesen zum erwarteten Verhalten eines Menschen abzuleiten. Das passt ziemlich genau zur „Theory of Mind“, in der es um die Fähigkeit geht, eine Annahme über Bewusstseinsvorgänge in anderen Personen vorzunehmen und diese in der eigenen Person zu erkennen – d. h. Gefühle, Bedürfnisse, Ideen, Absichten, Erwartungen und Meinungen bei anderen zu vermuten. 
Hier finde ich wichtig anzumerken, dass das kognitive Vermuten eines Gefühls bei dem Gegenüber etwas anderes ist als das echte emotionale Mit-Empfinden aus der emotionalen Empathie.

Soziale Empathie

Das meint die Fähigkeit in komplexen sozialen Situationen und Systemen die Gesamtheit der Menschen mit unterschiedlichen Herkünften, Kulturen, Haltungen, Charakter- und Verhaltenseigenschaften zu verstehen und mit ihnen konstruktiv kommunizieren zu können.

Natürlich ist die Empathie aus meiner Sicht auch stark von der Entwicklungsstufe abhängig. Grundsätzlich hat jeder Mensch die Möglichkeit die Empathie auf der gesamten Stufe auszuprägen. Und so ist es auch möglich, sich empathisch auf Menschen auf der gleichen oder einer früheren Stufe einzulassen. Da kann es natürlich typologische Herausforderungen geben, wie wir oft zwischen Männern und Frauen erleben können.

Schwieriger wird es, wenn die Empathie für spätere Stufen aufgebracht werden soll. Auf einer späteren Stufe gibt es nun mal Bewusstseinsinhalte, die ich nicht in der gleichen Art und Weise verarbeiten kann. Somit sind der Korrektheit der Empathie automatisch Grenzen gesetzt. 

Und nur, weil ich auf einer späteren Entwicklungsstufe prinzipiell in der Lage wäre, mich emotional auf eine frühere Stufe einzufühlen bedeutet das noch lange nicht, dass ich diese Fähigkeit auch wirklich ausgeprägt habe. Und damit sind wir beim Trainieren von Empathie.

Um Empathie trainieren zu können gefällt mir der Ansatz von Nathan Spreng ziemlich gut. Er hat einen Fragebogen (Toronto Empathy Questionaire) entwickelt, mit dem es möglich ist, die Empathie zu operationalisieren. Damit kommen wir von einem philosophischen Begriff zu tatsächlich erlernbaren, bzw. trainierbaren Kompetenzen.

Spreng misst Empathie in fünf Dimensionen:

  • Korrektes Entschlüsseln nonverbaler Botschaften
  • Die gleichen Gefühle wie andere empfinden
  • Ähnliche Gedanken und Erinnerungen erleben
  • Auslösen gleicher körperlicher Reaktionen, wie Herzschlag, Enge, „feuchte Hände“
  • Auslösen helfender oder unterstützender Handlungsimpulse

Interessant finde ich dabei, dass sich in den Kategorien der Dreischritt von Wahrnehmen-Bewerten-Handeln wiederfindet.

Das Wahrnehmen der nonverbalen Botschaften, die aus meiner Sicht neben Körperhaltung, Gestik, Mimik, Stimmmodulation, Tonlage auch schwerer zu erkennende Elemente wie Micro-Expressions, Muskeltonus und weitere subtile Merkmale umfassen ist dabei der erste Schritt. Das kann trainiert werden, indem man genau beobachtet, auf Unterschiedlichkeit achtet ohne direkt zu bewerten oder in Gruppen sehr bewusst in Begegnungsübungen geht. Dabei ist es sinnvoll, sowohl auf das wirklich beobachtbare, objektive ebenso zu achten wie auf die eigenen inneren, eher subjektiven Reaktionen.

Das Entschlüsseln der Wahrnehmung, gleiche Gefühle haben oder ähnliche Gedanken zu haben ist dann der Schritt der Bewertung. Die eingehenden Informationen müssen ausgewertet und bewertet werden. Welche Anzeichen scheine ich zu verstehen, welche Anzeichen sind mir unklar. Wie erzeuge ich in mir das innere Bild der Begegnung?

Hier gilt es insbesondere die Hypothesenbildung sehr bewusst in den Blick zu nehmen. Und diese Hypothesen immer weiter und feiner zu untersuchen. Wie gut kann ich mich in die Welt meines Gegenübers hineinversetzen? Wie gut kann ich nachfühlen, was gefühlt wird, welche Denkmodelle kann ich nachvollziehen? 
Dabei erfolgt die Entschlüsselung zu gewissen Teilen auch unbewusst, was sich oft in Körperreaktionen zeigt. Auch dafür gilt es immer aufmerksamer zu werden und diese Körperreaktionen auch in den eigenen Reflexionsprozess mit einzubeziehen.
Wo sind die Welten der Anderen auch so gänzlich unterschiedlich von meiner?

Dann ergibt sich das Feld der Handlung. Aus der Bewertung erfolgt ein Handlungsimpuls. Der kann ja sogar sein, dass man nicht handelt. Hier geht es dann darum, die Handlung auf Basis der ausgewerteten Informationen, der eigenen Haltung und des eigenen Zustands und der relevanten Ziele optimal zu gestalten. Dabei ist Kommunikation natürlich ein wesentliches Element, jedoch nur noch der sichtbare Ausdruck. Hier gilt es dann ebenso die Prozesshaftigkeit des Lebens zu begreifen und zu berücksichtigen. Manchmal ist ein sachlich richtiges Argument gerade einfach nicht zielführend. Sind beispielsweise die Kommunikationspartner nicht in Bindung, also nicht ausreichend in emotionaler und kognitiver Synchronisation, wird das Argument nicht richtig ankommen oder auf einer anderen Ebene der Kommunikation ankommen.

Somit kann man Empathie in drei Kategorien (emotional, kognitiv, sozial) und in drei Lernfeldern trainieren. Und daraus ergeben sich folgende Fragen, die ich einfach mal anbiete:

  • Wie steht es um meine Wahrnehmung im Bereich der emotionalen Empathie? Welche Hinweise beim Gegenüber und in mir nehme ich wahr?
  • Wie gut kann ich die Hinweise auf die Gefühle meines Gegenübers verarbeiten und ihnen die Bedeutung geben, die es bei dem Gegenüber wirklich hat?
    Und wie kann ich zwischen meinen Gefühlen und den Gefühlen des Gegenübers unterscheiden?
  • Wie passend kann ich meine Empathie dann zielgerichtet in Handlung überführen, damit eine für alle Beteiligten gedeihliche Situation entsteht?
  • Wie steht es um die Wahrnehmung im Bereich der kognitiven Empathie?
  • Welche Hinweise und Nuancen nehme ich am Gegenüber und bei mir wahr?
  • Wie gut kann ich mich in die gedankliche Welt meines Gegenübers hineinversetzen, dass ich seine Perspektive und Schlussfolgerungen nachvollziehen oder gar vorhersagen kann?
    Das geht übrigens, ohne seine eigene Meinung aufzugeben….
  • Wie gut kann ich die Perspektive des Anderen mit meiner eigenen Perspektive in einer Art und Weise zusammenbringen, dass ich mit meinem Gegenüber zu Einigungen der Perspektiven und Inhalte gelange, die für alle Beteiligten gedeihlich sind?
  • Wie gut kann ich in einer Gruppe die individuellen und kollektiven Signale wahrnehmen? Welche Hinweise finde ich in der Gruppe sichtbar und was kann ich dazu in mir wahrnehmen?
  • Wie gut kann ich die Hinweise zur Gruppe verstoffwechseln und damit zu passenden inneren Bildern des sozialen Systems gelangen?
    Übrigens ist das eine Variante, wie man Systemische Aufstellungen verwenden kann, was insbesondere im Bereich der Organisationsaufstellungen (WBOA.DE) nützlich ist.
  • Wie gelingt es mir dann, in einer Gruppe eine Kohäsion herzustellen und mit der gesamten Gruppe Ziele zu erreichen und gedeihliche Situationen zu erzeugen?

Wie immer wünsche ich viel Vergnügen und spannende Erkenntnisse mit den Fragen…und um auf dem Laufenden zu bleiben...können Sie sich am Ende der Seite in den Newsletter eintragen.

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