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06.06.2018

Scheitern, auch nur eine Kernkompetenz?

Überall kann man von den Umbrüchen unsere Zeit lesen, neue Technologien, neue Geschäftsmodelle, neue Paradigmen...

Manchmal fragt man sich, ob wirklich nichts von dem, was früher funktioniert hat, heute noch eine Bedeutung hat.

Welche Rolle spielt da das Scheitern?

Unabhängig davon, dass ich der Meinung bin, dass das Neue immer auf den Schultern des Vergangenen steht und wir eine gesunde Basis benötigen, um den anstehenden Herausforderungen unserer Zeit gut begegnen zu können, möchte ich heute mal das Scheitern in den Blick nehmen.

Als ich bei einem Kunden letztens die Aussage machte: „Das Projekt ist offensichtlich gescheitert!“, betrat eine nahezu greifbare Todesstille den Raum. Einige Personen schauten auch sehr schockiert. Alleine das Wort Scheitern hatte eine unglaublich einfrierende Wirkung.

In dem folgenden Dialog erkannte ich, welche unglaublichen Vorstellungen sich um das Wort „scheitern“ ranken.

Lassen Sie das Wort einfach mal auf sich wirken: Scheitern! Gescheitert!
Welche Gedanken und Gefühle kommen Ihnen dabei hoch?

Anscheinend ist es weit verbreitet, dass Scheitern etwas endgültiges ist. Und darüber hinaus noch etwas, dem nichts Gutes abzugewinnen ist. Scheitern bedeutet schnell das Licht auszumachen, den Eingang zuzumauern und nie wieder einen Blick auf das zu werfen, was in dem Raum mit dem bösen Etikett „scheitern“ zu finden ist.

Im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache findet man als Bedeutung:

  • ein angestrebtes Ziel o. Ä. nicht erreichen, keinen Erfolg haben
  • misslingen, missglücken, fehlschlagen
  • oder mit der Ergänzung „veraltend“: zerschellen, stranden

Da ist nicht wirklich etwas von einer Katastrophe zu finden. Vielleicht ein klein wenig in der veraltenden Bedeutung. Doch was muss eigentlich passieren, dass wir zerschellen oder stranden können?

Das sind ja Metaphern aus der Schifffahrt. Und das kann eigentlich nur passieren, wenn man neue oder besonders riskante Wege befährt.

Wenn wir Scheitern vermeiden wollten, dürften wir immer nur auf bekannten Pfaden gehen. Und selbst dann wäre es noch nicht garantiert, dass wir nicht scheitern. Denn es kann ja immer noch Umstände geben, die wir nicht vorhersehen können.

Im Umkehrschluss bedeutet es, dass wir jedes Mal, wenn wir etwas Neues probieren, die Gefahr des Scheiterns eingehen müssen. Damit meine ich nicht kopf-, herz- oder bauchlose Hektik, sondern ein bewusstes Experimentieren, ein Ausprobieren von Neuem, ein Schritt-für-Schritt vorangehen und ganzheitlich reflektieren.

Dazu gehört auch das Anerkennen, wenn etwas nicht funktioniert hat. Mit Anerkennen meine ich weder eine Schuldigensuche, noch ein Ignorieren. Jedes Scheitern ist eine Einladung genauer hinzuschauen. Ein paar hilfreiche Anregungen dabei könnten sein:

  • Was hat schon funktioniert?
  • Bis wohin hat etwas funktioniert?
  • Wer würde das als funktionierend beurteilen?
  • Und was sind überhaupt unsere Kriterien für „funktionierend“?
  • Wo waren die Grenzen?
  • Was hätten wir noch bedenken können oder sollen?
  • Welche Grundannahmen waren falsch?

Bei jedem Scheitern muss auch geprüft werden, was aktuell zu tun ist, um eventuell kritische Auswirkungen nicht eintreten zu lassen oder um eingetretenen Schaden wieder zu reparieren. 

Und dann gilt es den nächsten Schritt zu unternehmen, das nächste Experiment zu wagen. Ganz im Sinne von Samuel Becket:

Alles seit je.
Nie was anderes.
Immer versucht.
Immer gescheitert.
Einerlei.
Wieder versuchen.
Wieder scheitern.
Besser scheitern…
-Samuel Becket

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